Braunfels, Walter (1882-1954): Der Nachlass in der Bayerischen Staatsbibliothek

Der Komponist Walter Braunfels entstammte einer kunstbeflissenen Frankfurter Familie und erhielt früh Musikunterricht. Bereits als 12jähriger besuchte er das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt. Braunfels studierte zunächst Jura und Wirtschaft in München, dann Klavier bei Theodor Leschetizky in Wien und Komposition bei Ludwig Thuille in München. Seine Ehefrau wurde 1909 Bertel von Hildebrand, die jüngste Tochter des Münchner Bildhauers Adolf von Hildebrand. Geprägt wurde Braunfels‘ musikalische Entwicklung besonders durch den Dirigenten Felix Mottl, der ihm auch die Musik von Berlioz erschloss. Enge persönliche Verbindungen bestanden mit Wilhelm Furtwängler, Max Reger, Bruno Walter, Max von Schillings und Hans Pfitzner. Braunfels wirkte als erfolgreicher Pianist und Komponist von Opern ("Prinzessin Brambilla", "Die Vögel" u.v.a.) und großen Orchesterwerken (z.B. "Phantastische Erscheinungen eines Themas von Hector Berlioz op. 25"). Nach Militärdienst und Verwundung im Ersten Weltkrieg konvertierte er 1918 zum Katholizismus und schuf in der Folge große Bekenntniswerke wie das Te Deum op. 32 und die Große Messe op 37. Braunfels wurde 1923 zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste gewählt und 1925 gemeinsam mit Hermann Abendroth Direktor der neu gegründeten Musikhochschule in Köln. 1933 wurden ihm als "Halbjude" alle Ämter entzogen und seine Werke erhielten Aufführungsverbot. Die Jahre des Nationalsozialismus verbrachte der Komponist in innerer Emigration und schuf einige seiner Hauptwerke: geistliche Kantaten, drei Streichquartette und die Opern "Verkündigung", "Der Traum ein Leben" und "Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna". Nach dem Krieg wurde Braunfels als Direktor der Kölner Musikhochschule wiedereingesetzt.

Bereits 1989 hatten die Nachkommen des Komponisten der BSB wichtige Autographen des Komponisten als Depot übergeben. Sowohl dieses Depot als auch der noch bei der Familie befindliche umfangreiche musikalische und dokumentarische Nachlassteil von Walter Braunfels wurden 2025 als Schenkung an die BSB überführt.

Die Musikhandschriften aus dem Nachlass werden nachgewiesen im RISM Catalog . Einige Musikhandschriften liegen vollständig digitalisiert vor. Briefe und Dokumente sind recherchierbar in der Datenbank Kalliope . Eine aktualisierte Version der grundlegenden Biographie von Ute Jung-Kaiser liegt vor unter "Walter Braunfels (1882-1954). Leben und Werk" (PDF).