Das International Image Interoperability Framework (IIIF): ein neuer Standard für Zusammenarbeit, Nutzerfreundlichkeit und Forschung

IIIF anstelle von aufwändigen Insellösungen

IIIF LogoSeit Beginn der Kulturgut-Digitalisierung in den 1990er Jahren wurden zahlreiche technische Lösungen zur Internet-Präsentation digitaler Bestände aus Bibliotheken, Archiven und Museen entwickelt. So entstanden in vielen Digitalisierungsprojekten neue, auf den spezifischen Anwendungszweck hin optimierte Viewer (Betrachter) für die Digitalisate.

Nutzer digitaler Bildrepositorien (Bilddatenspeicher) sind deswegen bis heute gezwungen, sich bei ihren Recherchen mit einer Vielfalt an Viewern und unterschiedlichsten Funktionalitäten auseinanderzusetzen. Diese zahlreichen, isoliert betriebenen Insellösungen sind mittlerweile, vor allem in Bezug auf Wartung und Pflege, ein großes Problem für Digitalisierungseinrichtungen geworden.

Vor diesem Hintergrund hat die IIIF-Gemeinschaft neue Standards zur Bereitstellung von digitalen Bildern und für die Datenpräsentation im Internet geschaffen. Die Standards dienen der Vereinheitlichung der Datenbereitstellung und der Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit, sie vereinfachen zudem den Datenaustausch und die internationale Zusammenarbeit in der Forschung.

IIIF-Gemeinschaft

Das International Image Interoperability Framework (IIIF; gesprochen Triple-Ei-F) entstand 2011 mit Unterstützung der Mellon Foundation aus einer gemeinsamen Initiative renommierter Gedächtnisorganisationen, zu denen unter anderem die Harvard University, die Stanford University Libraries, Cornell University, British Library, Bodleian Libraries (Oxford) sowie die Nationalbibliotheken von Frankreich und Norwegen gehören. Heute wird die IIIF-Gemeinschaft bereits von über 20 über den Globus verteilten Museen, Bibliotheken und Archiven getragen. Die Bayerische Staatsbibliothek ist seit Juni 2015 Mitglied im so genannten IIIF-Core-Founding-Member-Consortium.

IIIF-Technologie

Das International Interoperability Framework (IIIF) besteht aus zwei sogenannten Application Programming Interfaces (APIs).

  • Die Image API definiert einen Web-Service zur Ausgabe von Bildern, zum Beispiel Format, Ausgabegröße und Zoomstufen, Ausschnitte, Farbtiefe und Rotation.
  • Die Presentation API beschreibt die Ausgabe eines Objektes mit seinen bibliographischen und strukturellen Metadaten. Der Output erfolgt als JSON-LD-Objekte [Beispiel]; die Ausgabe der Images gemäß der Image API ist integriert.

Um IIIF-konforme Bilder bzw. Objekte auszugeben, können unterschiedlichste technische Lösungen eingesetzt werden. IIIF schafft eine noch nie dagewesene Interoperabilität und ermöglichen einen institutionsübergreifenden Austausch digitaler Objekte und ihre standortunabhängige Darstellung in unterschiedlichsten Viewern und sonstigen Präsentationslösungen im World Wide Web.

IIIF an der Bayerischen Staatsbibliothek

Das Münchener DigitalisierungsZentrum der Bayerischen Staatsbibliothek hat IIIF mit großen Datenmengen bereits für das Portal bavarikon eingesetzt. Auf den hier gewonnenen Erfahrungen wird nun aufgebaut, da der Einsatz von IIIF folgende Vorteile bietet:

  • Bereitstellungsmöglichkeit hochauflösender Bilder mit einer Punktdichte von 300 ppi und mehr.
  • Einheitliche intern und vor allem extern nutzbare Schnittstellen für den Zugriff auf die Bilder. Damit wird die interoperable Vernetzung mit anderen IIIF-Bildrepositorien möglich.
  • Nachnutzungsmöglichkeit einer ständig steigenden Zahl von IIIF-konformen Viewer-Entwicklungen der IIIF-Gemeinschaft, z.B. Mirador sowie Viewer für Zeitungen oder der Universal-Viewer für Videos, Audios, Bilder und 3D-Objekte.
  • Wartung und Pflege nur noch einer einheitlichen technischen Infrastruktur.

IIIF-Demonstrator und Mirador

Das MDZ nutzt die Software Mirador für seinen IIIF-Demonstrator mit über 250 digitalisierten Handschriften, die aus aktuellen Pilotprojekten zur Digitalisierung mittelalterlicher deutschsprachiger Pergamenthandschriften und zur Digitalisierung der Handschriften des ehemaligen Benediktinerklosters St. Emmeram in Regensburg stammen.

Mirador ist nicht nur ein Viewer, sondern auch ein Online-Forschungstool für Handschriften. Die Software, eine Entwicklung der Universitäten Harvard und Stanford <http://iiif.github.io/mirador/> im Rahmen der IIIF-Gemeinschaft, ist einfach zu installieren und läuft als Browser-Applikation auf der Basis von HTML5 und JavaScript. Die Viewer-Software ermöglicht u.a. ein stufenloses Zoomen in hochaufgelöste Bilder. Der Viewer-Workspace (Arbeitsbereich) lässt sich flexibel konfigurieren und erlaubt das Betrachten, Durchblättern, Annotieren und Vergleichen von digitalen Objekten. Die Objekte können weltweit aus den unterschiedlichsten Repositorien stammen, sofern diese den IIIF-Standard erfüllen. Eine Video-Hilfe zur Nutzung des IIIF-Demonstrators finden Sie hier.

IIIF – Die nächsten Schritte

Die Bayerische Staatsbibliothek wird die Internet-Bereitstellung aller rund 1,2 Millionen urheberrechtsfreier Digitalisate sukzessive auch um eine IIIF-konforme Bereitstellung erweitern. Ein erster Schritt war der IIIF-Demonstrator. In einem zweiten Schritt werden alle bisher digitalisierten rund 10.000 mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln sowie Zeitungen folgen. Bis 2017 sollen dann in einem dritten Schritt alle urheberrechtsfreien Digitalisate IIIF-konform und interoperabel zugänglich sein.

Version 3.8.7 | 25.10.2016

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